Ich rede gerne über Geld, denn ich hab recht wenig davon. Und ich mag es. Ich mag Geld, um es rauszuhauen. Ich mag es auch, weil es mir beim Bezahlen meiner Rechnungen hilft. Außerdem gehen jedes Quartal wirklich fette Überweisungen an Finanzamt und Sozialversicherung. Ergo: Ich brauche stets mehr Geld als ich habe.
Was allein mein Auto alle Jahre frisst, damit ich eine frische Plakette bekomme. Man könnt’ es sich abgewöhnen. Dabei bin ich im Alltag längst sehr knauserig geworden, was die Kilometerfresserei angeht. Aber auf Reisen liebe ich es, nicht drauf zu achten. Und überhaupt, das Reisen!
Geld!
Ich finde interessant, wofür man es bekommt, ich finde diskussionswürdig, wofür man es ausgibt, ich finde vor allem bemerkenswert, wer wohl warum so tut, als sei es gar kein Thema.
Ich finde jene erstaunlich, die mir beharrlich zuraunen, das Geld müsse abgeschafft werden. Lustig! Naja, wir können natürlich dieses Medium (Geld) jederzeit durch ein anderes Medium (?) ersetzen.
So oder so, ich brauche irgendeinen „Speicher“, um in einer arbeitsteiligen Massengesellschaft meine Kraft und Leistung zwischenlagern, speichern zu können. Momentan sind das die Euro-Scheinchen und Münzen. Kann ja auch was anderes sein. Mir egal!
Kleiner Einschub: Ich kann natürlich Batterien hassen, wenn mich stört, dass Menschen eine räuberische Energiewirtschaft pflegen. Das klärt und löst aber vermutlich nichts. So ist auch die Ablehnung des Geldes noch nicht schlüssig, wenn man westlich-kapitalistische Geldwirtschaft problematisch findet.
Also reden wir bitte einmal über zweierlei: Verteilungsgerechtigkeit im Leistungsaustausch. Diese zwei Kategorien interessieren mich sehr: a) Leistungsaustausch und b) Verteilungsgerechtigkeit.
Ich hab im Zweifelsfall doch lieber mehr auf dem Tisch als weniger.
Ich könnte derlei kaum interessanter finden, als auf Wissens- und Kulturarbeit angewandt. Warum? Weil es da überwiegend um symbolische Werte geht, die gelegentlich in materielle Werte konvertiert werden müssen.
Daher muss auch Kulturpolitik in dieser Sache einigermaßen transparent und nachvollziehbar sein. Warum sollen welche Beträge für welche Vorhaben aufgewandt werden? Das will stets neu verhandelt werden.
Wenn ich mich hier längerfristig auf diesen Kulturblog einlasse, dann wird dabei öfter von Geld zu reden sein und davon, was IN Geld konvertiert werden kann, WORIN Geld seinerseits konvertiert werden soll.
Unter anderem genau WEIL der Umgang mit Geld stark symbolisch befrachtet ist und es im gleichen Zug als Tabu gilt, diese Prozesse zu erörtern; außer man ist konventionell dazu befugt. Das ist eine Frage, welchen Deutungseliten man zugerechnet wird.
Ich bin ein Künstler. Mir gefällt es, immer genug Geld zu haben und es stört mich, wenn das gerade nicht gelingt. Ich rede auch gerne darüber, dafür gibt es viele gute Gründe…
Martin Krusche
Martin.Krusche
06.02.2013
>>hat doch Recht, wenn sie auf Facebook meint:<<
und zwar recht womit?
damit, daß zwar alle welt in fragen der kulturpolitik mitquatscht, auch wenn sich 80 prozent der leute für diese fragestellungen eh net interessieren und daher auch keine vorstellung haben, wovon der berug kunstschaffender handelt?
für mich isses manchmal fast verstörend wieviele auch "gebildete leute" das lied singen: "oh! was kunst ist kann man ja nicht genau sagen." und dann all die voluntaries vor augen, was zum schluß führt: "ja, was künstler sind, das wissen wir eh net so genau."
gegen solche orientierungslosigkeit hilft zum beispiel... lesen? sich bilden? sich eine meinung bilden? vielleicht, um zu wissen, wovon man redet?
also:
mit "künstler" sind künstler gemeint, kunstschaffende, die sich bei vollem bewußtsein oder in trance diesem oder jenem genre der kunst widmen.
:-))
m.
p.s.: mir gehts mit diesem weibel-text zur sache recht gut:
06.02.2013
Gerlinde Knaus hat doch Recht, wenn sie auf Facebook meint:
wer ist mit künstler-in gemeint? da fängst schon an.